SXSW – die Trends 2015

Von Per Poulsen, Innovation Director bei der Serviceplan Gruppe.

Was sind die großen Trends der South By South West (SxSW) in diesem Jahr? Wie zu erwarten, waren zahlreiche Angebote aus den Bereichen Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Wearables vertreten: mit kopfmontierten Brillen, Armbändern, Halsketten und Uhren an jedem zweiten Messestand hat sich dieser Trend definitiv durchgesetzt. Nach dem Motto „Einfach bestellen und losfliegen“ waren auch ferngesteuerte und selbstfliegende Drohnen allgegenwärtig – von fingerklein bis hin zu Modellen mit 10kg Nutzlast. Elektrische Skateboards, selbstfahrende Autos, autonome Roboter, die über das Internet miteinander kommunizieren – alles war in Austin dabei.

Doch viele Firmen und Startups kämpfen noch mit der Umsetzung: Luftgitarre spielen mithilfe eines Armbands, das Bewegungen in Musik umsetzt? Ja, das macht Spaß, aber wie geht es weiter? Die eigenen Fitnesswerte messen – kein Problem, aber wie helfen mir diese Daten, meine Ergebnisse zu verbessern? Drohnen und selbstfahrende Autos stehen zwar hoch im Kurs, aber welche sinnvollen Einsatzmöglichkeiten gibt es und wer ist verantwortlich, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert? Wie stellen wir sicher, nicht nur „One Hit Wonders“ zu produzieren? Und was ist eigentlich ein „Wearable“?

Wearables sind, wie Lauren Bowker von See the Unseen in London treffend beschreibt, bislang nur „in Plastik verpackte, mit unserem Handy verbundene Elektronik“. Wo bleiben die haptischen Erlebnisse – wo bleibt die Magie? Genau an diesem Punkt wird die Diskussion erst interessant. Jeder Trend hat eine Gegenbewegung. Günstigstenfalls erkennt diese Gegenbewegung das Potenzial des neuen Trends und bringt es in unsere Alltagswelt ein.

Novalia aus Großbritannien haben nichts Neues erfunden, aber durch die clevere Verbindung von kleinen Computern und leitfähiger Druckfarbe den Druck interaktiv gemacht – ein bekanntes und gleichzeitig magisches Gefühl, so als ob sich ein Magazin plötzlich in ein Tablet verwandelt hätte.

Imogen Heap hat ein Paar Handschuhe mit Sensoren versehen. Auf diese Weise kann die Musikerin digitale Instrumente nutzen, Effekte steuern oder auch nur durch die eigenen Bewegungen musizieren. Eine Choreographie wird so zum Musikstück, ein Konzert wird zu einer Performance, Musikvideos werden mit auf Bewegungsdaten basierender, computergenerierter Grafik unterlegt.

Doch zurück zur Lauren Bowker. Ihr Arbeitskollektiv See The Unseen arbeitet mit futuristischen Materialen, Code und Chemie, um die Magie in unserer Welt sichtbar zu machen. Gemeinsam mit ihren Kunden haben sie Produkte geschaffen, die auf Druck, Wind, Feuchtigkeit, Temperatur und viele andere Faktoren reagieren und interagieren. Ausgangspunkt ihrer Entwicklungsgeschichte war eine Jacke, die durch die Aufnahme von CO2 ihre Farbe verändert und so sichtbar macht, welchem Grad an Luftverschmutzung der Träger täglich ausgesetzt ist. Heute, fünf Jahre später, ist See The Unseen der Zukunft voraus – mit Produkten, die magisch erscheinen und nachhaltig faszinieren.

Das ist es, was ich als Innovation Director bei Serviceplan suche: Der Punkt, an dem die Interaktion, die Erlebniswelt und nicht die Technologie an erster Stelle steht. Für mich drehen sich die Trends von morgen nicht nur um Technologie, Wearables, Big Data oder Drohnen, sondern vor allem um wertvolle Nutzungsszenarien. Es sollte nicht darum gehen, wer welche Gadgets herstellt, sondern darum, wie wir in Zukunft Magie in unseren Alltag bringen.

 

Über South By South West

Die Jährlich in Austin, Texas stattfindende „Festival-Style Conference“ South By South West (SxSW) umfasst drei Konferenzen in den Bereichen Musik, Film und Interactive. Mit einem umfangreichen Programm bestehend aus Vorträgen, Workshops, Networking und ein Vielzahl an unterschiedlichen Messen und Award Shows, ist die SxSW Interactive mit mehr als 30.000 Besuchern der publikumsstärkste Teil des Festivals.